Nachruf
Canan Rohde-Can war eine außergewöhnliche Frau, deren Lebensweg von Flucht, Beharrlichkeit und schöpferischer Kraft geprägt war. 1965 in der Osttürkei in einer alevitischen Familie geboren, die vertrieben wurde, wuchs sie zunächst in Istanbul auf. Ihre Großmutter, eine Analphabetin, prägte sie mit Stärke und Pragmatismus – Eigenschaften, die Canan ihr Leben lang begleiteten. Nach ihrem Umzug zu ihren Eltern ins Rheinland fand sie dank der Entschlossenheit ihrer Mutter den Weg aufs Gymnasium.
In frühen Texten der Migrantenliteratur reflektierte sie die Erfahrung, doppelt fremd zu sein – zwischen Herkunft und neuer Heimat, zwischen Tradition und Moderne. Doch die Verbindung zu ihren Wurzeln blieb lebendig: Die „Baustellen der Großmutter“ weckten ihr Interesse an Architektur. Es folgten das Studium an der RWTH Aachen und der Kunstakademie Düsseldorf, wo sie Meisterschülerin von Ernst Kasper wurde. Schon als Studentin machte sie mit Entwürfen wie „Ein Zuhaus für mich“ und Erfolgen bei Wettbewerben auf sich aufmerksam. Ihre Reisen, etwa nach China 1987, und der Film „Istanbul Gecekondu – Über Nacht gebaut“ zeugten von ihrer Neugier auf die Welt und ihrer Sensibilität für gesellschaftliche Räume.
Nach ersten Berufsjahren in Düsseldorf und Dresden fand sie auch als Lehrende – unter anderem bei Carlo Weber und Ivan Reimann – an der TU Dresden eine prägende Rolle. Ihre Stärke und Herzlichkeit machten sie zu einer inspirierenden Persönlichkeit. Viele fragten sich: „What would Canan do?“
Mit der Gründung des Büros Rohdecan 1998 setzte sie Maßstäbe: unternehmerische Freiheit, Offenheit, Präzision und Nachhaltigkeit bestimmten ihre Arbeit. Keine Villen, keine Museen – sondern öffentliche Bauten für alle: Gerichte, Schulen, Forschungs- und Laborgebäude. Unter ihrer Leitung entwickelte sich das Büro mit Bauvorhaben in Dresden, Berlin, Erfurt, Hamburg und Jülich zu einem festen Bestandteil der deutschen Planungskultur.
Ihre Beiträge in Preisgerichten, Vorträgen, Ausstellungen und Gestaltungsbeiräten – etwa in Erfurt und Wolfenbüttel – zeugten von ihrer fachlichen Autorität und ihrem gesellschaftlichen Engagement.
Trotz einer Krebsdiagnose im Jahr 2015 führte sie ihr Büro mit Weitblick und Mut weiter, blieb bis zuletzt kreativ tätig. Ihre letzten Jahre verbrachte sie zwischen Workation in ihrem Sommerhaus in der Türkei und ihrem Team in Dresden. Kurz vor ihrem Tod im Mai 2025 wurde sie in die Kunstkommission Dresden berufen – eine späte, aber verdiente Anerkennung ihres Lebenswerks.
Canan Rohde-Can war Architektin, Unternehmerin, Lehrerin, Vorbild und Integrationsfigur. Ihre Empathie, ihre Energie und ihr unerschütterlicher Wille, Brücken zu bauen – zwischen Menschen, Kulturen und Räumen – bleiben unvergessen.
Autor: Thomas Will
Der Beitrag erschien erstmals in Bauwelt, Heft 24.2025.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Bauwelt.
In frühen Texten der Migrantenliteratur reflektierte sie die Erfahrung, doppelt fremd zu sein – zwischen Herkunft und neuer Heimat, zwischen Tradition und Moderne. Doch die Verbindung zu ihren Wurzeln blieb lebendig: Die „Baustellen der Großmutter“ weckten ihr Interesse an Architektur. Es folgten das Studium an der RWTH Aachen und der Kunstakademie Düsseldorf, wo sie Meisterschülerin von Ernst Kasper wurde. Schon als Studentin machte sie mit Entwürfen wie „Ein Zuhaus für mich“ und Erfolgen bei Wettbewerben auf sich aufmerksam. Ihre Reisen, etwa nach China 1987, und der Film „Istanbul Gecekondu – Über Nacht gebaut“ zeugten von ihrer Neugier auf die Welt und ihrer Sensibilität für gesellschaftliche Räume.
Nach ersten Berufsjahren in Düsseldorf und Dresden fand sie auch als Lehrende – unter anderem bei Carlo Weber und Ivan Reimann – an der TU Dresden eine prägende Rolle. Ihre Stärke und Herzlichkeit machten sie zu einer inspirierenden Persönlichkeit. Viele fragten sich: „What would Canan do?“
Mit der Gründung des Büros Rohdecan 1998 setzte sie Maßstäbe: unternehmerische Freiheit, Offenheit, Präzision und Nachhaltigkeit bestimmten ihre Arbeit. Keine Villen, keine Museen – sondern öffentliche Bauten für alle: Gerichte, Schulen, Forschungs- und Laborgebäude. Unter ihrer Leitung entwickelte sich das Büro mit Bauvorhaben in Dresden, Berlin, Erfurt, Hamburg und Jülich zu einem festen Bestandteil der deutschen Planungskultur.
Ihre Beiträge in Preisgerichten, Vorträgen, Ausstellungen und Gestaltungsbeiräten – etwa in Erfurt und Wolfenbüttel – zeugten von ihrer fachlichen Autorität und ihrem gesellschaftlichen Engagement.
Trotz einer Krebsdiagnose im Jahr 2015 führte sie ihr Büro mit Weitblick und Mut weiter, blieb bis zuletzt kreativ tätig. Ihre letzten Jahre verbrachte sie zwischen Workation in ihrem Sommerhaus in der Türkei und ihrem Team in Dresden. Kurz vor ihrem Tod im Mai 2025 wurde sie in die Kunstkommission Dresden berufen – eine späte, aber verdiente Anerkennung ihres Lebenswerks.
Canan Rohde-Can war Architektin, Unternehmerin, Lehrerin, Vorbild und Integrationsfigur. Ihre Empathie, ihre Energie und ihr unerschütterlicher Wille, Brücken zu bauen – zwischen Menschen, Kulturen und Räumen – bleiben unvergessen.
Autor: Thomas Will
Der Beitrag erschien erstmals in Bauwelt, Heft 24.2025.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Bauwelt.
