Workshopverfahren Winsener Straße
AUSLOBER
SHT Grundstücksgesell- schaft Winsener Straße 32-50 GmbH & Co. KG

PROGRAMM
Wohnen, Gewerbe

PLANUNGSGEBIET 1,6 ha
BGF ca. 30.000 qm
GBK ca. 100 Mio € brutto

LEISTUNG
2. Rang
nicht offenes, städtebauliches Workshopverfahren mit hochbaulichem Anteil

Rohdecan Architekten
mit Rehwaldt LA

2019

Wilstorf
Das neue Quartier besetzt die letzte große Fehlstelle im Harbuger Stadtteil Wilstorf. Die Hauptschlagader des Bezirkes, die Winsener Straße, erhält eine geschlossene Räumlichkeit im Sinne ihres gewachsenen Charakters. Mit dem neuen Treppenviertel in Sichtweite der St.-Franz-Joseph-Kirche setzt sich Wilstorf einen wichtigen Baustein für die urbane Entwicklung seiner Ortsmitte. Die künftige, sehr vielfältige Bewohnerschaft und die neuen Geschäfte werden einen wichtigen Beitrag zur Lebendigkeit des Viertels leisten.

Flusstal
Der Ort verfügt über eine für Hamburg außergewöhnlich bewegte Topografie. Diese wird mit der städtebaulichen Setzung effizient genutzt und räumlich inszeniert. Die Winsener Straße folgt dem Verlauf eines alten Flussbetts. Deutlich wird das Raumprofil beim Blick in Querrichtung entlang des Walter-Koch-Weges. Die Blickachse wird durch das Plangebiet über den Stichweg zum Eigenheimweg verlängert und der gesamte Talschnitt ablesbar. Sie folgt damit dem Prinzip der zentralen Achse in der benachbarten Eisenbahnersiedlung. In deren Mitte wird die Topografie durch eine gestaffelte Treppenanlage inszeniert, die bis in die gegenüber liegende Paul-Gerhardt-Straße wahrnehmbar ist. Mit dem neuen Bezug wird der Zielsetzung einer übergeordneten Vernetzung des Stadtteils Rechnung getragen. Gleichwohl bildet er die Schnittstelle für die phasenweise Entwicklung des Quartiers.

Stadtbalkon
Als zeitgenössische Interpretation der Treppenkaskade in der Eisenbahnersiedlung entwickelt das neue Quartier seine räumliche und gestalterische Hauptadresse an dieser Blickachse. Ein zentraler Erschließungshof erweitert hier den Stadtraum ins Quartier. Über eine repräsentative Freitreppe ist der obere Teil des Hofs vom Straßenraum räumlich abgesetzt und kann so als Stadtbalkon an der groß dimensionierten und verkehrslastigen Magistrale bestehen. Die Anlage nutzt so die Topografie um die Parkebenen, die Geschäftsflächen und die Anlieferbereiche gegen das ansteigende Gelände zu legen und die Idee einer höher gelegenen Sequenz aus Wohnhöfen zu ermöglichen. Am Auftakt der Freitreppe befinden sich die Eingänge zu Supermarkt und Drogeriemarkt, sowie ein Zugang zu den Parkhäusern. Parallel dazu sichert ein öffentlicher Aufzug den barrierefreien Zugang zum oberen Erschließungsniveau. Alle Wohngebäude können über die sich von hier entwickelnden Freiräume barrierefrei erschlossen werden.

Grüne Kaskade
Im Kontrast zur gestalteten Kante des Stadtbalkons, seiner Härte und steinernen Prägnanz wird im Rücken des Quartiers der Logik des gewachsenen Geländes gefolgt. Hier wird durch das Einnivellieren der drei Blockschollen ins Gelände ein sanfter Anstieg entlang der ursprünglichen Geländekante geschaffen. Der hier entstehende grüne Anger bietet mit annähernd 3% Anstieg eine barrierefreie Verbindung im Quartier. Mit dem großartigen, vollständig erhaltenen Baumbestand bietet er den Bewohnern der einzelnen Blöcke einen gemeinsamen Freiraum zur Naherholung und den Bezugsort für die Orientierung der Wohnungen. Die Bebauung bildet hier eine lockere, mehrfach gestufte Raumkante und unterstützt so den Charakter des Freiraumes.
Winsener Straße
Blick aus dem Walter-Koch-Weg
Winsener Straße
Strukturplan
Winsener Straße
ModellstudieBastian Hartmann